Kontenabschluss: GuV-Konto, Eigenkapital, Privatkonto
Wie Aufwands- und Ertragskonten über das GuV-Konto abgeschlossen werden, wie Gewinn und Entnahmen ins Eigenkapital gehen und wie andere Länder abschließen.
Warum Konten abgeschlossen werden
Aufwands- und Ertragskonten erfassen, was in einem Geschäftsjahr geschehen ist. Damit der Erfolg des Jahres ermittelt werden kann und das neue Jahr mit leeren Erfolgskonten beginnt, werden sie zum Jahresende abgeschlossen. Danach werden auch die Bestandskonten über das Schlussbilanzkonto abgeschlossen. Die Reihenfolge:
- vorbereitende Abschlussbuchungen: Abschreibungen, Rechnungsabgrenzung, sonstige Forderungen und Verbindlichkeiten (siehe vorbereitende Abschlussbuchungen), Bestandsveränderung der Waren, Umsatzsteuer-Zahllast;
- Abschluss der Erfolgskonten über das GuV-Konto (Gewinn- und Verlustkonto);
- Abschluss des GuV-Kontos über das Eigenkapital;
- Abschluss des Privatkontos über das Eigenkapital;
- Abschluss der Bestandskonten über das Schlussbilanzkonto (SBK).
Gelöstes Beispiel: Einzelunternehmen
Ein Einzelunternehmen weist zum 31. Dezember nach den Abgrenzungen diese Salden aus: Umsatzerlöse 30.000 (Haben), Aufwendungen für Waren 18.000 (Soll), Löhne und Gehälter 6.000 (Soll), Abschreibungen auf Sachanlagen 2.000 (Soll), Privatentnahmen 3.000 (Soll). Das Konto Waren (Bestand) zeigt den Anfangsbestand von 4.000; laut Inventur beträgt der Schlussbestand 5.000.
Bestandsveränderung zuerst. Bei aufwandsorientierter Buchung wurden alle Einkäufe als Aufwand gebucht. Der Lagerbestand ist um 1.000 gestiegen, diese Waren wurden also nicht verbraucht. Die Bestandsmehrung wird gebucht mit „Waren (Bestand) an Aufwendungen für Waren 1.000 €“. Damit zeigt das Aufwandskonto den Wareneinsatz: 18.000 − 1.000 = 17.000. Eine Bestandsminderung würde umgekehrt gebucht: „Aufwendungen für Waren an Waren (Bestand)“.
Der Gewinn beträgt 30.000 − 17.000 − 6.000 − 2.000 = 5.000 €.
1. Aufwandskonten abschließen
Die Salden der Aufwandskonten gehen ins Soll des GuV-Kontos.
Buchungssatz: GuV an Aufwendungen für Waren 17.000 €, Löhne und Gehälter 6.000 €, Abschreibungen auf Sachanlagen 2.000 €.
| Konto | Soll | Haben |
|---|---|---|
| GuV-Konto | 25.000 | |
| Aufwendungen für Waren | 17.000 | |
| Löhne und Gehälter | 6.000 | |
| Abschreibungen auf Sachanlagen | 2.000 |
2. Ertragskonten abschließen
Die Salden der Ertragskonten gehen ins Haben des GuV-Kontos.
Buchungssatz: Umsatzerlöse an GuV 30.000 €.
| Konto | Soll | Haben |
|---|---|---|
| Umsatzerlöse | 30.000 | |
| GuV-Konto | 30.000 |
3. GuV-Konto abschließen
Das GuV-Konto hat jetzt 25.000 im Soll und 30.000 im Haben. Die Erträge überwiegen um 5.000: Das ist der Gewinn. Er wird auf der kleineren Sollseite als Saldo eingetragen und erhöht das Eigenkapital.
Buchungssatz: GuV an Eigenkapital 5.000 €.
| Konto | Soll | Haben |
|---|---|---|
| GuV-Konto | 5.000 | |
| Eigenkapital | 5.000 |
Bei einem Verlust ist die Habenseite des GuV-Kontos kleiner, und es wird umgekehrt gebucht: „Eigenkapital an GuV“.
4. Privatkonto abschließen
Entnahmen des Inhabers sind kein Aufwand und laufen nicht über das GuV-Konto. Das Privatkonto wird direkt über das Eigenkapital abgeschlossen.
Buchungssatz: Eigenkapital an Privatentnahmen 3.000 €.
| Konto | Soll | Haben |
|---|---|---|
| Eigenkapital | 3.000 | |
| Privatentnahmen | 3.000 |
Das Eigenkapital steigt also um den Gewinn (5.000) und sinkt um die Entnahmen (3.000), insgesamt um 2.000 €. Hätte der Inhaber auch Privateinlagen geleistet, würden sie es erhöhen.
Danach: Schlussbilanzkonto
Zum Schluss werden alle Bestandskonten über das Schlussbilanzkonto abgeschlossen: Aktivkonten mit „SBK an Bank“, „SBK an Waren (Bestand)“ usw., Passivkonten mit „Eigenkapital an SBK“, „Verbindlichkeiten aLL an SBK“ usw. Das SBK muss ausgeglichen sein und stimmt mit der Schlussbilanz laut Inventar überein.
Kapitalgesellschaften
Bei einer GmbH oder AG bleibt das gezeichnete Kapital unverändert. Das Ergebnis wird als Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag ausgewiesen, und über die Verwendung des Gewinns (Ausschüttung an die Gesellschafter oder Einstellung in Gewinnrücklagen) entscheiden die Gesellschafter im Folgejahr. Ein Privatkonto gibt es dort nicht.
Kontrollen
- Nach dem Abschluss haben alle Erfolgskonten und das Privatkonto keinen Saldo mehr.
- Der Saldo des GuV-Kontos entspricht dem Gewinn oder Verlust der GuV-Rechnung.
- Die Veränderung des Eigenkapitals entspricht Gewinn minus Entnahmen plus Einlagen.
Unterschiede zu anderen Konventionen
- USA: Erlöse und Aufwendungen werden über ein Zwischenkonto, Income Summary, abgeschlossen; dessen Saldo geht in Retained Earnings (Kapitalgesellschaft) oder auf das Kapitalkonto des Inhabers, die Entnahmen (Drawings) oder Dividenden (Dividends) direkt dorthin. Da Waren bestandsorientiert gebucht werden, wird der Wareneinsatz (Cost of Goods Sold) bei jedem Verkauf erfasst.
- Spanien (PGC): Die Gruppen 6 und 7 werden über 129 Resultado del ejercicio abgeschlossen, nachdem die Bestandsveränderung über 610 gebucht wurde; Entnahmen des Einzelunternehmers laufen über 550 Titular de la explotación.
- Frankreich (PCG): Die Klassen 6 und 7 werden über das Konto 12 abgeschlossen (120 Gewinn, 129 Verlust), die Bestandsveränderung über 6037; Entnahmen über 108 Compte de l’exploitant.
Häufige Fehler
- Privatentnahmen über das GuV-Konto abschließen. Entnahmen sind keine Aufwendungen; sie mindern das Eigenkapital direkt und verändern den Gewinn nicht.
- Die Bestandsveränderung vergessen. Ohne sie zeigt das Konto Aufwendungen für Waren die Einkäufe des Jahres, nicht den Wareneinsatz, und der Gewinn ist falsch.
- Die Seiten beim Abschluss vertauschen. Ein Aufwandskonto mit Sollsaldo wird im Haben abgeschlossen („GuV an Aufwandskonto“), ein Ertragskonto mit Habensaldo im Soll („Ertragskonto an GuV“).
- Den Gewinn auf die falsche Seite des Eigenkapitals buchen. Ein Gewinn erhöht das Eigenkapital und steht deshalb im Haben des Eigenkapitalkontos, ein Verlust im Soll.
Üben
Übe mit den Bereichen Abschlussbuchungen, Warenbestand und Gesellschaften und Eigenkapital. GuV-Konto, Privatkonto und Schlussbilanzkonto stehen im Glossar.